Wenn es Nacht wird, zieht sie die Blicke auf sich. Sie sitzt im Gras, hebt ihren feurigen Hinterleib und gibt ihren flugfähigen männlichen Artgenossen grünes oder gelbes Licht: ein Käferstündchen?
Auf den ersten Freier braucht sie in der Regel nicht lange zu warten. Denn bei den Leuchtkäfern, die hierzulande auch Glühwürmchen genannt werden, sind die Männchen meist in der Überzahl. Jedes Glimmen und Blinken ist ein Lichtblick in ihrem kaum mehr als zweiwöchigen Käferleben.
Mit artspezifischen Signalen nehmen Glühwürmchen über große Entfernungen hinweg Verbindung auf. Ihre Leuchtorgane sind wirkungsvolle Scheinwerfer: Hinter den durchsichtigen Fenstern am Unterleib liegen die eigentlichen Lichtzellen und dahinter Reflektoren, die alle Strahlen wie Spiegel nach außen werfen.
"Glühwürmchen verfügen über den effizientesten Leuchterzeugungsprozess, den wir kennen", sagt Dieter Weiß vom Institut für Organische Chemie der Universität Jena. Während eine Glühbirne nur fünf bis zehn Prozent der Energie in Licht umwandelt und den Rest als Wärme abgibt, ist die Lichtausbeute der kleinen Käfer erheblich höher. "Sie setzen weit über 90 Prozent der chemisch erzeugten Energie in Licht um", sagt Weiß, der die Lichtreaktionen der Leuchtkäfer erforscht hat.
Das Glühwürmchen glüht nicht wirklich. Es sendet kaltes Licht aus. Die Quelle dafür ist das Leuchtmolekül Luciferin. Dieses Molekül wird im Zusammenspiel mit Sauerstoff und anderen Substanzen oxidiert und fällt schließlich unter Lichtabstrahlung wieder in den ursprünglichen, energieärmeren Zustand zurück. Die ganze biochemische Reaktionskette kommt allerdings nur durch die Hilfestellung eines sehr komplexen Biokatalysators zustande. Dieser aus mehreren tausend Atomen zusammengesetzte Stoff, die Luciferase, lässt sich bisher nicht auf künstlichem Weg herstellen.
Leider, denn im Vergleich zur Leuchtreaktion des Glühwürmchens sind unsere Glühbirnen wenig effizient. Sie werden heiß. Das Käferlicht dagegen macht allenfalls die potenziellen nächtlichen Partner heiß. So heiß, dass sich manches Glühwürmchen von Glanz und Glamour des weiblichen Geschlechts hinters Licht führen lässt.
Zum Beispiel von einem Weibchen der Gattung Photuris. Die Dame täuscht den Männchen einer anderen Gattung, Photinus, vor, eine geeignete Partnerin für sie zu sein. Sie hat deren optischen Code geknackt und antwortet gekonnt auf ihr inständiges gelbes Blinken. Auf diese Weise lockt sie die Männchen an, um sie zu verspeisen. Blendende Schönheit, kalter Betrug.